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„Lernst du denn niemanden mal kennen?”

Frage:
Möge Allah in erster Linie mit Ihnen zufrieden sein. Mögen Ihre Dienste dauerhaft sein und angenommen werden – so Allah will -. Ich bin eine 23-jährige, ledige junge Frau. Meine Eltern und die Menschen in meinem Umfeld erwähnen ständig, dass ich mein Heiratsalter erreicht habe, jedoch ist die für mich vorherbestimmte Person noch nicht erschienen. Ich war schon immer dagegen eine unerlaubte (harâm) Beziehung einzugehen und zu heiraten, dem Herrn sei Dank.
Vor allem die Aussagen meiner Mutter wie: „Stellt sich dir denn niemand vor? Deine Schule ist nun auch zu Ende. Konntest du auch dort niemanden finden? Andere in deinem Alter heiraten, aber du bist eine Nesthockerin”, kränken mich sehr, aber ich lasse es mir nicht anmerken.
Ich sehe die Menschen in meiner Umgebung nun mal nicht als potentielle Ehepartner an. Denn dies ist eine offenkundige Einladung in eine unerlaubte Beziehung. Was ich aber möchte, ist eine Heirat nach Allahs Wohlgefallen mit einem rechtschaffenen Gläubigen. Zudem ist es ein Problem für meine Eltern, dass ich nicht auf Materielles, sondern auf moralische, spirituelle Aspekte Wert lege.
Ich möchte jemanden heiraten, der die fünf täglichen Gebete verrichtet, aber meine Mutter meint: „Jeder betet für sich und wenn er nicht betet ist es seine eigene Sünde und Angelegenheit.” Meine Mutter, mein Vater und meine Brüder beten nicht. Ich habe vor sieben Jahren über das Internet die Wichtigkeit und Tugend des Gebetes erfahren, mich selbst hinterfragt und daraufhin mit dem Gebet begonnen. Obwohl meine Familie nicht betet, so möchte ich doch so sehr, dass mein Ehepartner zu den Betenden gehört …
Im Endeffekt kann ich mir meine Familie nicht aussuchen aber meinen potentiellen Ehepartner schon. Wie muss ich mich gegenüber den Ansichten meiner Mutter verhalten? Die Situation verleitet mich manchmal in den Pessimismus. Danach sage ich zu mir selbst: „Was ist mit dir los? Wenn Allah sagt ‘Sei!’, dann wird es eintreten. Er hat Kraft über alle Dinge und all dies ist eine Prüfung.”

Antwort:

Liebe Tochter,
einst gab es einen Tyrannen Namens Pharao. Er drängte seine Frau dazu, die größte aller Sünden zu begehen. Doch sie bevorzugte Allah über alles. Sie tat nicht, was Pharao sagte. Auch nicht kurz bevor sie getötet und in Stücke gerissen wurde. Als Ergebnis ist diese Frau nun die Mutter aller Gläubigen und ging vorauseilend in das Paradies ihres Herrn ein. Pharao wurde in der Hölle verankert und sie wurde ein Paradiesgeschöpf. Beide erhielten die Ewigkeit. Einer gewann die Ewigkeit in der Hölle und einer im Paradies.
Du wirst in eine Notlage gedrängt und das von deiner Mutter. Wenn du es schaffst, wirst auch du gewinnen. Es ist auch für dich möglich, die Ewigkeit zu gewinnen. Sei standhaft und habe Erfolg. Kurz gesagt, kann ich dir folgendes empfehlen:

  1. Nehme das Thema Heirat ernst. Sei bereit, wenn die Zeit dafür gekommen. Du hast schöne und kluge Gedanken. Selbstverständlich geht man nicht hinaus und sucht einen Heiratsanwärter. Das Schicksal von deinem Herrn wird dich früher oder später finden. Glaube an dies und zweifele nicht daran. Lass dich weder gehen noch kapsele dich ab. Du solltest eine ausgeglichene, innerhalb der erlaubten Rahmenbedingungen herrschende Art und Weise an den Tag legen.
  2. Bleibe gegenüber deiner Mutter und deinem Vater trotz allem höflich. Gebe keinesfalls ein Zugeständnis. Beachte ihre Aussagen nicht und gebe deine Höflichkeit nicht auf. Im Endeffekt sind sie dein Ursprung. Eines Tages werden sie es bedauern, solche Aussagen getätigt zu haben. Rede nicht grob und sei nicht beleidigend. Bleibe auf höfliche Weise und mit Taktgefühl aufrecht, und zwar mit erhobenen Hauptes.
  3. Versuche immer beschäftigt zu sein, aber verschwende deine Zeit nicht mit unnötigen Dingen. Lese, schreibe, recherchiere aber bleibe nicht ohne Beschäftigung. Versuche ein Mensch, mit großen Idealen zu werden. Vernachlässige nicht deine Gottesdienste. Lies den Qur’ân. Spreche du‘â’.
  4. O mein Kind, diese Frau hieß Âsiya. Tausende Jahre sind vergangen, seit sie diese Welt verlassen hat. Nun möchte dein Herr dich zur Âsiya machen. Lass dir diese Möglichkeit auf keinen Fall entgehen. Bemühe dich und werde eine Âsiya. Bleibe tausende Jahre lang am Leben. Werde ein Paradiesgeschöpf und finde deinen Herrn. Sei keineswegs hoffnungslos. Habe ja keine Angst. Vergieße ja keine Träne. Was, wenn du 100 Jahre lang ledig bliebest? Was nun? Wenn es ein Leben fern von Allahs Zufriedenheit ist, welche Rolle spielt es dann noch verheiratet oder ledig zu sein? Denke groß mein Kind, sehr groß. Fühle dich nicht einsam. Die Engel sind mit dir. Sie beobachten dich mit voller Begeisterung. Kränke sie auf keinen Fall.

Ich lege Bittgebete für dich ein mein Kind. Möge mein Herr dich beschützen und ehren. Lege auch du Bittgebete für mich ein.

 

Nureddin YILDIZ