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Atheismus und Islam

Einen Atheisten als Vater

Frage:
Ich habe diese Frage auch in einem Forum für Frauen gestellt, aber es ist dabei nichts rausgekommen, außer dass wir darüber diskutiert haben. Leiber habe ich in meiner Nähe und Umgebung keinen Gelehrten, dem ich diese Frage stellen könnte. Aus diesem Grunde störe ich Sie. Ich bin derzeit nicht nicht verheiratet und lebe mit meiner Familie. Da ich meinem Studium nachgehe, bin ich aktuell auch nicht berufstätig. Deshalb versorgt uns mein Vater. Jedoch ist er ein Atheist und seit meiner Kindheit beschimpft und flucht er über die Religion. Er macht sich sogar darüber lustig. Meine Mutter hat angefangen, die fünft täglichen Gebete zu verrichten und seit ca. 10 Jahren vernachlässigt sie diese  nicht. Über dieses Thema streite ich meinem Vater sehr oft. Ich habe angefangen, mir das Beten (Salâh) selber beizubringen. Jetzt verrichte ich es, auch wenn es nicht fünf Mal am Tag ist. Ich versuche es, mindestens einige Male zu verrichten. Mein Vater hat nicht nur aus religiöser Sicht eine Schwäche, sondern auch aus moralischer Sicht. Seit ca. 10 Jahren hat mein Vater angefangen, zu anderen Frauen zu gehen. Er zahlt ihren Kindern Geld und kümmert sich um sie. Jetzt hat er auch noch, von einer anderen Frau ein Kind bekommen. Aber natürlich ist meine Mutter damit in keinster Weise einverstanden. Wir sind sehr wütend auf meinen Vater. Zudem spricht mein Vater sehr beleidigend, er ist sehr wütend und verletzend. Soweit es mir möglich ist, versuche ich es zu ertragen, aber nun bin ich an das Ende meiner Geduld angelangt. Zuletzt ist er mir sogar gestern Nacht noch auf die Nerven gegangen. Er hat bei einem Thema, was überhaupt nichts mit mir zu tun hat, meine Ruhe zerstört. Anstatt depressiv zu werden, bin ich aufgestanden, habe das Gebet verrichtet und Bittgebete zu Allah gesprochen. In letzter Zeit hatte ich dafür gebetet, das Er meinen Vater zügelt, aber damit habe ich jetzt aufgegeben. Mein Vater sieht sich ständig im Recht und respektiert sein Gegenüber nicht.  Ich weiß nicht, was ich machen soll. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, das Haus zu verlassen und woanders zu leben. Auf der anderen Seite möchte ich mein Haus, mein/e Bruder/Schwester und meine Mutter nicht verlassen. Ich habe alles gelesen, was ich über die Vaterperson im Islam finden konnte, aber mein Vater passt mit gar keinen dieser Dinge überein. Im Endeffekt ist er kein Polytheist, sondern ein Atheist. Wenn er ein Polytheist wäre, würde ich ihn nicht als Freund ansehen, aber er ist kein Polytheist. Aber er ist der größte Lügner und der unsympathischste Mann, den Sie sich vorstellen können. Trotzdem hat er sich bis jetzt, als ein Vater um uns gekümmert. Ich fühle mich gerade wirklich sehr verzweifelt. Natürlich ist Allah der Größte und es wird sich auch eine Lösung finden lassen, aber wann? Wie sollte ich mich aus islamischer Sicht meinem Vater gegenüber verhalten? Wenn Sie mir einen Rat geben könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Möge Allah zufrieden mit Ihnen sein.

Antwort:
Die Lage Ihres Vaters oder eine noch schlimmere Lage hebt seine Vaterschaft über Sie nicht auf. In allen Belangen ist er ein Vater. Reduzieren Sie ihre Pflichten als Kind  auf das Minimum. Wenn bei Ihrem Auszug die Situation eintritt, dass ihre Mutter alleine zurück bleiben muss, verlassen Sie das Haus nicht. Wenn es Ihnen Ihre Mutter erlaubt, dann können Sie für eine bestimmte Zeit in einer WG mit anderen rechtschaffenen und gläubigen Frauen wohnen. Somit könnten Sie sich ausruhen. Abgesehen davon, gibt es nicht viel, dass Sie tun können. Leider ist diese Welt voller Mädchen, die Ihre Probleme durchleiden müssen. Möge Allah Ihnen Geduld schenken und Ihnen Erleichterung geben.

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