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Eine Ummah werden

Warum schaffen wir es nicht, eine Ummah* zu sein?

Frage:
Das Blut und die Tränen, die in der islamischen Welt fließen, reißen tiefe Wunden in uns allen auf. Als einzelne Person können wir nicht viel machen. Und das was wir machen, ist nur ein vorrübergehendes Ergebnis. Es besteht also nicht nur ein Problem, welches gelöst werden kann, indem man nur Decken, Nahrung und Kleidung spendet. Warum wird von so wertvollen Gelehrten, wie Sie einer sind, nichts unternommen. Unsere wertvollen und geschätzten Gelehrten könnten die Massen, die ihnen folgen, als Führer mitziehen und eine Lösung des Problems könnte angestrebt werden.  Wenn dies möglich wäre, warum können wir uns nicht vereinen, damit nicht jeden Tag Menschen im Irak, in Palästina und sogar in der Türkei sterben müssen? Warum können wir nicht eine „Ummah“ sein? Warum ist die islamische Welt ein Tal voller Blut, obwohl es doch so viele islamische Gelehrte gibt?

Antwort:
Sie haben recht und Sie sagen die Wahrheit. Die Freiheit jedoch, die Ihre Hände und Ihre Füße haben, so frei sind auch die der Gelehrten. Wir teilen dieselbe Bevölkerung und wir kümmern uns nur um unsere eigenen Angelegenheiten, leider.
Unsere Gemeinschaft (Ummah) durchläuft eine Zeit der Katastrophen. Wir können dies auch als eine Prüfungsphase betrachten, die uns Allah – der Erhabene – auferlegt, um Seine rechtschaffenen Diener zu sehen. Als einzelne Personen und als Gemeinschaft müssen wir uns gedulden und das Wohlgefallen Allahs erlangen, indem wir das tun, ZUDEM WIR IMSTANDE SIND. Dies ist unsere erste Aufgabe.

Unsere zweite Aufgabe ist folgende:
Wir sind eine Ummah. Unser Projekt bezieht sich auf das ganze Leben und die ganze Schöpfung, ja sogar auf das Universum. Wenn wir an einem Punkt ins Stocken gekommen sind, müssen wir an diesem Punkt nicht das Leben aufgeben. Wir versuchen, den nächsten Punkt zu bewältigen. Wenn wir an der Politik ins Stocken geraten sind, so lockern wir wenigstens nicht unser Benehmen und unsere gute Moral (Akhlâq). Wie sehr auch alle Bereiche miteinander verbunden sind, müssen wir versuchen das zu tun, zudem wir imstande sind. Zum Beispiel haben wir als Gläubige (Mu’minûn) damit angefangen, unsere wirtschaftliche Lage zu verbessern. Wir müssen unsere Probleme klären, die mit der Wirtschaft verbessert werden können. Wenn wir an der Politik ins Stocken gekommen sind, müssen wir unsere Kapazität bei den Gottesdiensten (‘Ibâdât) steigern. Wir müssen bei der Erziehung der Nachkommen aufholen. Es ist ganz offensichtlich, dass es sehr viele Dinge gibt, die wir angehen können. Ins Stocken geraten zu sein, ist keine Ausrede. Die Tatsache, dass man bei drei von zehn möglichen Angelegenheiten nicht vorwärts gekommen ist und sieben davon mit Erfolg erledigt hat, kann als eine Entschuldigung gültig sein. Wir müssen das Thema auch aus dieser Sicht betrachten.
Auf die gleiche Weise, wie wir die Probleme unter die Lupe nehmen, müssen wir auch unsere Gaben (Ni’ma) und Chancen wahrnehmen. Die Welt ist doch nicht für die Ewigkeit, sodass ihre Probleme auf ewig bestehen sollten! Auch diese werden – mit Allahs Erlaubnis – vergehen.
Wir überqueren diese Brücken, um eines Tages unseren Herren zu erreichen…
Seien Sie Allah anvertraut.

Nureddin YILDIZ

*arab.: الامة [Al-Ummah]: bezeichnet die islamische Weltgemeinschaft

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