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Erwartungen an die Ehe

Welche Erwartungen sollten wir an die Ehe haben?

Frage:
Welche Erwartungen sollte ein Mann oder eine Frau an die Ehe haben?

Antwort:
1- Die Heirat und das Familienleben sollte als eine große gottesdienstliche Bemühung (Dschihâd) angesehen werden. So wie wir daran glauben, dass Allah – der Erhabene – uns die Verrichtung der Gebete (As-Sâlah) auferlegte, so müssen wir ebenfalls daran glauben, dass er uns befiehlt den Bund der Ehe (Nikâh) einzugehen und dadurch die eigene Würde und Ehre zu bewahren und einen Beitrag zum Wachstum der muslimischen Gemeinschaft (Ummah) beizutragen. Von einem Eheverständnis, dass begrenzt ist auf den Beischlaf oder nach der Arbeit eine warme Mahlzeit auf dem Tisch vorzufinden, gilt es Abstand zu halten.

2- Jeder sollte mit seinesgleichen heiraten. Mit seinesgleichen ist hauptsächlich die gleiche Sichtweise auf das Leben gemeint. Danach sollte auf körperliche Eigenschaften und finanzielle sowie spirituelle Kapazitäten geachtet werden. Bei großen Unterschieden kann eine Ehe nicht die gewünschten Erwartungen liefern.

3- Die finanzielle Lage des Mannes sollte in einer Ehe nie Gegenstand einer Diskussion werden. Wenn der Mann Gottesfurcht besitzt, wird er seine Frau beschützen. Er wird das Verständnis besitzen, dass seine Frau ihm von Allah anvertraut wurde. Er wird sich mehr um ihr Wohlergehen kümmern, als um sein eigenes. Welcher Reichtum kann einen Mann ohne Gottesfurcht denn schon bändigen? Das materielle ist nicht beständig. Wir müssen klug sein. Bei einem Mann muss nach der Gottesfurcht geschaut werden und ob sein Islamverständnis ihn dazu verleitet, sich für seine Religion ins Zeug zu legen.

4- Bei einer potentiellen Ehefrau muss darauf geachtet werden, ob Einschränkungen bestehen, welche die Intimität zwischen Mann und Frau beeinträchtigen könnten und inwiefern diese Einschränkungen in die Kategorie Krankheit bzw. gesundheitliches Problem fallen. Die Gewohnheiten der Frau, welche ihre Pflege betreffen, sollten ebenfalls beachtet werden. Eine Frau, die es schafft für ihren Ehemann, ihre Schönheit zu bewahren und welche die Geburt, um es mit den Worten des Gesandten Allahs – Frieden und Segen auf Ihm – auszudrücken, als eine Gunst und ein Mittel zur Gottesfurcht (Taqwâ) sieht; Nicht ein Kind oder fünf Kinder, sondern bereit ist, so viele Kinder zu gebären, wie Allah es ihr ermöglicht, ist eine Frau, die sich mit großer Bemühung auf dem Wege Allahs befindet (Mudschâhidah). Für eine solche Frau ist es Wert, jegliche Brautgabe (Mahr) zu entrichten. In einer Zeit, die geprägt ist von Perversität und Abnormalität, ist nach der Gottesfurcht (Taqwâ) die wichtigste Eigenschaft, nach der bei einer Frau geschaut werden muss,  ihre Anziehungskraft. Sie muss die Erkenntnis und den Willen besitzen, ihren Mann von all den anderen Frauen auf dieser Welt, abzulenken. Eine wahrhaftige Frau ist nicht diejenige, die schauspielerische Eifersuchtsszenen vorspielt oder die Mehrehe anfeindet, sondern die ihren Mann von all den anderen Frauen ablenken kann. Also nicht eine Frau, die Werbung für die Weiblichkeit macht, sondern die mit wahren Worten eine gestandene Frau ist.

5- Anstatt die eigenen vier Wände so auszustatten, als habe man vor, ein Möbelgeschäft zu eröffnen, sollten wir sie ausstatten, wie eine Bibliothek. Die potentiellen Ehepartner müssen sich bezüglich zweier Besonderheiten ihrer zukünftigen Wohnung untereinander beraten (Istischâra). Ersteres ist das Fernbleiben von Geräten, wie dem Fernseher o. ä., welches der Hausbibliothek und der literarischen Bildung im Wege stehen kann. Zweitens, die Nutzung der Wohnung als wäre sie eine Kinderherberge. Es muss eine Wohnung errichtet werden, die im Sinne eines Bildungszentrums für die Kinder dient.

6- Die größte Segensquelle einer Ehe ist es, die Bittgebete (Du’â) beider Elternparteien zu erhalten. Die Einwilligung von Mutter und Vater sollte unter allen Umständen eingeholt werden. Wenn nicht alles nach ihrem Ermessen läuft, sollte trotzdem versucht werden, ihre Herzen zu gewinnen.

7- Niemand ist volkommen. Besonders bei jungen Leuten, die zum ersten Mal planen, eine Ehe einzugehen, besteht die Gefahr sich zu täuschen und sich zu sehr von den eigenen Emotionen leiten zu lassen. Diese Schwäche sollte beglichen werden, indem mit erfahreneren und kompetenten Leuten ein Austausch (Istischâra) stattfindet.

8- Nicht das „richtige“ Alter ist für die Einleitung der Ehe ausschlaggebend, sondern die „richtige“ Zeit. Eine Heirat sollte keineswegs aus Gründen wie Schule, Arbeit oder sonstigem aufgeschoben werden. Die Heirat sollte noch vor der Pilgerreise (Haddsch) stattfinden.

9- Unmittelbar nach der Heirat und während dem Verlauf der Ehe, sollten auf jedenfall Vorkehrungen getroffen werden, um nicht unter dem Einfluss des Satan (Schaytân) und seiner Diener zu stehen. Das Ziel sollte sein: Eine Heirat und eine Wohnung, gemäß dem prophetischen Brauch (Sunnah) zu haben. Die Leute des Irrglaubens, nicht nachzuahmen. In Sachen Dekoration und Mobiliar, nicht zu übertreiben. Das Schlafzimmer, als das wertvollste Zimmer anzusehen. Die Eltern, nicht zu vernachlässigen. In Sachen Essen und Trinken u. ä., nicht verschwenderisch zu sein. In der Wohnung die Kapitel (Suwar), Âli Imrân (Die Sippe Imrâns) und Al-Baqarah (Die Kuh) zu rezitieren und das islamische Rechtswissen, am Leben zu erhalten.

10- Es gibt keine Ehe, die von Problemen befreit ist. Sogar die gesegnetsten Menschen durchlebten Probleme in ihrer Ehe. Eine gute Ehe ist nicht jene, die keine Probleme erwartet, sondern gegen zukünftige Probleme gedanklich vorbereitet ist. Man sollte bei Problemen bereit sein, sich beraten zu lassen (Istischâra) und diese versuchen auf die Art und Weise zu lösen, die uns der Qur’ân aufzeigt.

11- Die Wichtigste unter den vielen Möglichkeiten, die uns der Qur’ân aufzeigt, ist es, Allah für ein erfülltes Familienleben und eine gute Ehe anzuflehen. In Wohnstätten, in denen Allah erwähnt wird, sollte man Allah darum bitten, gottesfürchtige (Muttaqîn) und rechtschaffene Kinder zu bekommen. Das Festhalten an die Bittgebete (Du’â) ist eine Voraussetzung.
Wir bitten Allah, dass er uns zu Wegbereitern (Imâm, Pl.: A’imma) für die gottesfürchtigen (Muttaqîn) bestimmt.

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