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Ein Brief an den neuen Muslim

Seien Sie sich bewusst, dass Ihre Situation auch die allgemeine Situation der Menschen darstellt. Sie haben diese Situation lediglich erkannt und haben dadurch eine besondere Position erlangt. Würde doch nur die gesamte Menschheit dasselbe empfinden wie Sie. Wie schnell wäre doch dann ihre Errettung…Wenn sie nur wüssten! Ich möchte Ihnen gratulieren. Wissen Sie auch wieso? Die Probleme, um die Sie sich sorgen; der Kummer, den Sie empfinden, sind Anzeichen der Hoffnung, die Ihr Herz beleben. Sie reflektieren geradezu die Aufregung und leuchtenden Augen von ‘Umar, der einst auf dem Weg war seine Schwester umzubringen, weil sie den Qur’ân laß. Deshalb möchte ich Ihnen gratulieren für zukünftige behagliche Tage und dem zu Allah, der nun offen ist. Sie brauchen sich, keine Sorgen zu machen. Aber Sie schätzen sicherlich, dass der Satan (schaytân) sich nun Sorgen macht und sich aufgrund seiner Sorge auf Sie stürzen wird. Er verliert letzlich eine Person. Jede Person, die die Engel gewinnen bedeutet für ihn den Verlust eines Weggefährten.

Es genügt für Sie, folgendes zu wissen:

Unser Herr hat uns eine große Prüfung auferlegt. Alles was wir mit unseren Augen sehen, unseren Ohren hören und unseren Hände festhalten, sind von unserem Herrn Mittel, mit denen wir auf die Probe gestellt werden. Dass wir sie als gut oder schlecht, nützlich oder unnützlich ansehen, ändert an dieser Tatsache nichts. Je mehr wir uns dieser Prüfung bewusst sind und die Begeisterung wahren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit diese erfolgreich abzulegen. Nicht nur Sünden (harâm) oder Pflichten (farâid), sondern auch aus religiöser Sicht Neutrales (mubah) ist hier mitinbegriffen. Wenn wir eine Prüfung nur darüber definieren,von Sünden fern zu bleiben, keinen Alkohol zu konsumieren, kein Zins zu nehmen, ist dies ein lückenhaftes Verständnis. Wie wir unsere Jugend verbracht haben und wie wir unser Umfeld genutzt und gelenkt haben, müssen wir ebenfalls als Mittel sehen, durch die wir auf die Probe gestelt werden. Man schaut auf den Reichen, wie er mit seinem Reichtum umgeht, ob er die Almosensteuer (zakât) entrichtet und wie er sich bei der freiwilligen Spende verhält. Doch wie sieht es mit einer jungen Frau und ihrer Jugend aus? Wie sieht es aus mit Ihrer makellosen Intelligenz und wozu sie Ihr Talent genutzt hat? Unser Herr wird fragen, ob sie ihre Möglichkeiten dazu genutzt hat um damit eine dauerhafte Spur in der Menschheit zu hinterlassen. Dies ist auch das eigentlich Schwierige.

Bevor Sie Ihr neues Leben beschreiten, möchte ich Sie dafür loben, in eine Phase eingetreten zu sein, in der Sie dieses Verständnis versuchen zu ergreifen. In einer Zeit voller Unruhen und Ungewissheit ist es ein unschätzbarer Wert und ein großer Segen, dass Allah jemanden für seinen Weg bestimmt. Dies erfordert Dankbarkeit und Lob.

  • Halten Sie das Bewusstsein Ihrer Dienerschaft gegenüber Allah, dem Erhabenen, am Leben. Setzen Sie kein höheres Ziel, als seine Gunst zu gewinnen. Setzen Sie sich das Ziel, auf seinem Weg zu sein. Auch wenn Ihr Kopf unbedeckt und Ihr Rock kürzer ist und wenn es ihr einziges Ziel ist Allahs Dienerin zu sein, dann kann dies Ihre Rettung bedeuten. Seien Sie sich bewusst, dass sogar jene, mit unbedecktem Kopf und kurzem Rock errettet werden können, solange Sie vor Allahs Tür warten. Glauben Sie fest daran. Lassen Sie sich vom Satan (schaytân) nicht verscheuchen und auch nicht von denjenigen, die das Ausmaß dieser Tür nicht begriffen haben.
  • Fassen Sie die täglichen Gebete als größten Zeiger auf und vernachlässigen Sie diese nie. Verrichten Sie das Gebet, selbst wenn es nicht zu allen Zeiten klappt. Das Gebet ist der Wegweiser zum Paradies.
  • Meiden Sie die Einsamkeit. Versuchen Sie, sich einer gläubigen Gemeinschaft anzuschließen. Seien Sie hier, bei der Auswahl von Personen und Orten nicht zu voreilig. Ab einem gewissen Punkt, nachdem sich Ihr Wissen und Ihre Begeisterung gemehrt haben, werden Sie Ihren Platz finden.
  • Lassen Sie sich von Geschehnissen und Problemen nicht entmutigen. Ohne Standhaftigkeit lässt sich kein einziger Schritt beschreiten. Nicht sofort, sondern wenn die Zeit dafür eingetreten ist, lautet die Devise.
  • Wie auch immer die religiöse Lage Ihrer Mutter und Ihres Vaters sein mag, nehmen Sie bei Ihren Taten Rücksicht auf  sie und übergehen Sie sie nicht einfach.
  • Versuchen Sie besonders beim Thema Heirat bzw. Übergang in die Obhut eines Mannes, nicht überemotional zu werden.
  • Lassen Sie sich nach Ihrem Abschluss bezüglich dem Thema Arbeitsumfeld auf jedenfall beraten. Sogar wenn der Verstand eines Menschen für die gesamte Menschheit reichen würde, kann sie für einen selbst unzureichend sein.
  • Legen Sie fortwährend Bittgebete (du‘â’) ein. Für Sie selbst, Ihrer Mutter, Ihrem Vater. Legen Sie Bittgebete für alle Menschen ein. Bitten Sie Allah, ohne es satt und genug davon zu haben.

Ich lege für Sie Bittgebete (du‘â’) ein und erwarte von Ihnen, gute Nachrichten zu erhalten.
Möge Allah Ihr Freund und Helfer sein.

Nureddin YILDIZ

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