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Die Beziehung zum Vater im Islam

Eine emotionale Antwort auf einen emotionalen Brief einer Tochter

Frage:
Letztes Jahr bin ich im Fernsehen auf einen Ihrer Vorträge gestoßen und empfand es als eine große Bereicherung. Natürlich gebührt der Lob als erstes unserem Herren, der Ihnen dieses Wissen geschenkt hat. Möge der Herr Sie und Ihre Familie mit jenen vereinen, die Er liebt und mit denen Er zufrieden ist, denn Sie bieten uns diese Dienste an und tragen eine große Verantwortung.
Ich versuche dem Wissen, welches Sie mir anbieten, gerecht zu werden, indem ich Sie in meine Bittgebete (Du’a) einschließe und das Wissen in mein Leben umsetze. Ich wünschte, ich könnte immer an Ihrer Seite sein und mich von solch einer Quelle, wie Sie es sind, bereichern, aber unser Herr ist der Allgütige (Al-Karîm). Vielleicht wird auch dies eines Tages Ihrer hilflosen Schwester ermöglicht. Möge Allah auch mit den Brüdern und Schwestern maßlos zufrieden sein, die uns über das Internet dieses wertvolle Wissen übermitteln und Ihre Dienste mit uns teilen, sodass unser Eifer in der Dienerschaft gestärkt wird. Möge der Herr Ihnen und allen, die einen zusätzlichen Beitrag leisten, Erfolge und Siege geben. Glauben Sie mir, ich erlebe die Freude, sagen zu dürfen, dass wir einen Gelehrten (‘Âlim) haben, der sich nicht davor scheut, die Wahrheit zu sagen.
Einige Ihrer Bücher konnte ich nicht besorgen, da ich im Ausland lebe, hatte aber die Chance, einen Teil aus der Türkei bringen zu lassen. Je mehr wir es lesen, desto mehr erweitert sich unser Horizont. Möge Allah mit Ihnen und Ihrer Familie zufrieden sein, von denen ich mir sicher bin, dass sie zahlreiche Opfer bringen müssen, damit Sie diese Dienste erbringen können.  
Ich  fühle mich überhaupt nicht wohl dabei, Sie mit meinen Sorgen zu belästigen, aber ich habe die Empfehlungen von einer Person, wie Sie es sind, sehr nötig. Ich bin mir sicher, dass die Dinge, die Sie sagen werden, mir den Weg weisen und mich und meine Familie zu innerem Wohlbefinden führen werden. Verzeihen Sie mir. Ich weiß, dass Sie hunderte Nachrichten lesen müssen. Verzeihen Sie mir dafür, dass ich Ihnen einen langen Text schreibe und Ihre Zeit stehle.
Ich beschäftige mich erst seit viereinhalb Jahren mit religiösem Wissen (‘Ilm). Also seit ich 14 Jahre alt bin. Meine Mutter ist ein Mensch, die in Qur’ânschulen aufgewachsen ist. Da mein Vater in einer religiösen Familie aufwuchs, ist er ein Mensch, der ein gewisses religiöses Wissen vorweisen kann. Obwohl unser Haus seit meiner Kindheit voller islamischer Bücher ist, wie die über Rechtslehre (Fiqh) und Glaubensgrundlagen (‘Aqâid), habe ich leider nur sehr selten gesehen, dass mein Vater dieses Wissen in die Tat umgesetzt hat. Obwohl ich einen Vater habe, der so viel Wissen (‘Ilm) besitzt, habe ich nicht einmal zu hören bekommen, dass er mir etwas über den schönsten der Schönen, den Gesandten Allahs – Frieden und Segen auf Ihm -, erzählte. Es tut mir innerlich weh, dass ich all die Jahre verbracht habe, ohne den Propheten – Allahs Segen und Frieden auf Ihm -, kennengelernt zu haben. Ich kann es einfach nicht akzeptieren, dass mein Vater die Geschichten der Propheten – Frieden und Segen auf Ihm -, die Geschichten der Religion (Dîn), die islamische Geschichte und weiteres ähnliches Wissen kennt und uns diese nicht weitervermittelt hat. Obwohl meine liebe Mutter jemand ist, die den Qur’ân sehr schön rezitieren kann, besitzt sie nicht sehr viel Wissen. Aber sie ist jemand – Allah sei Lob -, die ihre Gebete (Salâh) niemals verpasst und ihre Nachtgebete (Tahaddschud) immer verrichtet. Meine Mutter konnte uns bisher nur die Dinge beibringen, die sie wusste. Aber durch ihre Sanftheit und Liebe, war sie uns immer wie eine Freundin. Ihre Herzlichkeit führte dazu, dass wir sie uns zum Vorbild nahmen und dadurch anfingen unsere Gebete (Salâh) zu verrichten und moralisch zu handeln. Möge Allah mit ihr zufrieden sein. Mein Vater verrichtete zwei Mal die große Pilgerfahrt (Haddsch) und ein paar Mal die kleine Pilgerfahrt (‘Umra), aber wir waren seiner Ansicht nach unwürdig dafür, diese heiligen Länder zu bereisen und unseren Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm – zu besuchen und unsere Sehnsucht nach Ihm zu stillen. Er sagte, dass man es sich erst verdienen muss, dorthin zu gehen.

Mein Vater war ein Mensch, der den Bedürfnissen anderer Menschen nachging; der sich nicht davor bewahrt, Gutes zu tun und den Bedürftigen zu helfen. Er ist aber jemand, der seiner Familie seine Liebe verwährt; der unter den Menschen nicht zu seiner Familie hält, sondern sie minderwertig behandelt, indem er all ihre Geheimnisse und Fehler aufdeckt; der den sanften Vater vorspielt, wenn Gäste zu Besuch kommen und wie ein Diktator ist, sobald der Besuch wieder weg außer Haus ist. Ich vergesse nie, was Sie in einem Ihrer Videos über die Väter sagten, die neben ihren Gästen nett sind und nachdem der Besuch fort ist, sich wie ein Diktator verhalten. Dies hatte mich sehr getroffen. Denn es war so, als beschrieben Sie meinen Vater.
Ich kann mich an keinen Ramadan, Festtag (‘Îd) oder andere besondere Tage erinnern, an dem mein Vater uns nicht zum Weinen brachte oder uns anschrie und beschimpfte. Ich kann mich nicht daran erinnern, zu Besuch zu gehen, ohne Tränen in den Augen gehabt zu haben. Mein Vater ist Taxifahrer. Wegen des besseren Verdienstes zur Nachtzeit, zog er es deshalb vor, Nachts zu arbeiten. Da er von 18 Uhr bis 6 Uhr arbeitete, stand er um 17 Uhr auf,  aß etwas, machte sich fertig und ging zur Arbeit. An Tagen, an denen wir später von er Schule kamen, sahen wir ihn nicht, geschweige denn, dass wir uns mit ihm unterhalten konnten. Als ob dies nicht ausreicht, arbeitete er auch an den Wochenenden und sah uns nicht als würdig genug, sich einen Tag Zeit für uns, seine Kinder, zu nehmen. Wir sind nur mit der Liebe unserer Mutter aufgewachsen und entfernten uns von unserem Vater immer mehr. Deshalb nahm der Respekt ihm gegenüber mit der Zeit ab. Als er mit meiner Mutter stritt, rief er uns und wollte uns zwingen, Zeugen des Streites zu sein.

Meine arme Mutter konnte trotz all ihrer Bemühungen meinen Vater nicht daran hindern. Während eines Streites, erlaubte er uns unter keinen Umständen, dass wir uns um unsere kleine Schwester kümmern, die weinend ins Zimmer lief. Er hatte kein Mitleid mit uns und ließ uns diese Qualen durchleiden. In unserem Inneren hinterließ das tiefe Wunden, die nicht geheilt werden können. Jedesmal hielt er uns seine finanzielle Unterstützung vor, indem er sagte: „Ich habe meine väterlichen Pflichten erfüllt. Ich bin von nun an frei von Verantwortung. Was ich geleistet habe können andere nicht.“ Können Sie mir bitte sagen, ob ein Vater seiner Vaterrolle gerecht wurde, wenn er seinen Kindern kein Wissen (‘Ilm) vermittelt hat und nichts über den Gesandten Allahs – Segen und Frieden auf Ihm – erzählt hat?

Stets erwähnt er die Rechte des Vaters und des Ehemannes. Er legt uns diesbezüglich Überlieferungen (Ahadîth) vor, aber aus seinem Mund kommt nichts über die Rechte der Kinder und des Ehepartners. Ich erlitt einen Schock, als ich mir über die Anzahl der Überlieferungen (Ahadîth) bewusst wurde, welche über die Ehe- und Kinderrechte handeln. Dennoch kann ich ihn nicht verurteilen. Er brachte uns trotzdem einige kurze Kapitel (Suwar) aus dem Qur’ân bei – meine Mutter brachte uns aber auch einiges bei – und deshalb denkt er, dass dies genügen würde.
Wir waren an eine Gemeinschaft gebunden, aber da er sich von dieser Gemeinschaft trennte, lösten auch wir uns von ihr und anstatt uns dazu zu leiten der Gemeinde beizutreten, das nützlich für unsere Religion und unser Wissen ist, blockierte er zudem noch alle Wege.   

Er beschäftigte sich mit den weltlichen Dingen, er nahm nicht einmal ein Buch in die Hand, aber uns schrie er an, dass wir lesen sollen. Wobei er nicht wirklich darauf beharrte. Er hat uns nie zu spüren gegeben, dass wir wertvoll für ihn sind, aber er befahl uns immer, ihm gegenüber respektvoll zu sein. Fremde Kinder nahm er auf den Schoß, unterhielt sich und verstand sich auch sehr gut mit ihnen.
Um nebenbei zu erwähnen, die beste Wohltat, die er wahrscheinlich machte war, dass er meine ältere Schwester in einer privaten islamische Schule anmeldete. Wieder hat er mich in diesem Punkt benachteiligt und selbst wenn er sie an diese Schule schickte, nahm er mir die Möglichkeit, dasselbe Wissen zu erlangen und gab sich überhaupt keine Mühe für meine Bildung. Unzähliges Lob gebührt unserem Herren, denn trotzdem ließ Er mich seinen Weg finden. Er ließ mich erfolgreich im Wissenserwerb. So sehr, dass ich angefangen habe meiner kleinen Schwester Wissen weiterzugeben, worum sich mein Vater nie kümmerte und was auch ich, in ihrem Alter nie beigebracht bekam. Mein Vater war jemand, der mit keiner Tat seiner Frau zufrieden war, der seine Unzufriedenheit immer aussprach und der überhaupt keine Freude daran empfand, dass meine Mutter sich so sehr darum bemühte, ihm zu gefallen. Sie gab sich solche Mühe. Meine Mutter konnte nicht mehr länger jemanden ertragen, der überall, ohne Zurückhaltung die Eigenschaften seiner Frau erwähnte, die ihm nicht gefielen. Als Resultat dessen, trennten sie sich natürlich. Seit drei Jahren sind sie geschieden. Die Trennung führte zum Ergebnis, dass wir uns noch stärker unserer Religion widmeten und noch besser die Religion erlernen konnten. Es wird doch in dem Vers gesagt, „es kann Gutes in dem sein, das ihr als schlecht bedenkt“, und so ist das tatsächlich. Mein Vater hat gesehen, dass wir unsere Ehre und Tugendhaftigkeit bewahren. Wir verlieren kein Wort über ihn und deshalb denkt er wohl, dass er keinerlei Verantwortung für uns zu tragen hat und und sich somit nicht um uns kümmern muss. Aber aus materieller Sicht – möge Allah mit ihm zufrieden sein – bedrängt er uns keineswegs.
Nachdem sich meine Eltern trennten, ging ich ständig zu meinem Vater nach Hause und habe versucht, den Haushalt zu führen, soweit ich dazu imstande war, jedoch sagt er jedes Mal, dass ich nichts für ihn täte. Er sagt dies auch zu anderen Menschen über mich. Ich verspüre innerliche Ruhe. Denn ich mache dies sowieso nur, um das Wohlgefallen meines Herren zu erlangen. Ob es andere nun wissen oder nicht, ist unwichtig, aber mein Vater hat durch sein Verhalten meinen Respekt und meine Liebe verloren. Dies hat dazu geführt, dass ich ihn weniger besuche und ihn anrufe. Er sagte zu mir, „sogar wenn es dein Kind ist, das dich nicht wertschätzt, solltest auch du es nicht wertschätzen.“ Ich weiß, dass er durch sein Geld sein Gewissen befriedigt. Auch zu Hause hat er sich immer vor den Fernseher gesetzt und sich nie um uns gekümmert. Abgesehen vom Fernsehen,  kam es vor, dass mein Vater stundenlang mit seinen Taxifreunden telefonierte. Jetzt beschwert er sich über seine Einsamkeit. Aber mein Herr ist gerecht. Sollen doch seine Freunde nun die Stelle seiner Kinder ersetzen, die er damals nicht zu wertschätzen wusste…

Als ich und meine Schwester anfingen, dem Thema der Bedeckung mehr Beachtung zu schenken, sagte er uns, wir sollen uns dem Stil anderer anpassen, indem wir einen Mantel und bunte Kopftücher tragen, denn wir würden rumlaufen, wie die Araber. Als er zu uns sagte: „Kauft euch so viele dieser (modischen) Mäntel und bunten Kopftücher wie ihr wollt und bringt mir die Rechnung, ich werde alles bezahlen“, sagte ich zu mir selbst: „Sagt dies etwa mein Vater, der doch so viel Wissen besitzt?“ Wegen unserer Bedeckung, betrachten uns unsere Familienmitglieder als unnormal. Sie sagen: „Was ist los mit euch? Ihr seid vollkommen schwarz eingehüllt.“ Sollen sie es doch so betrachten, wie sie es möchten. Im Endeffekt reicht mir die Freude, dass ich dem Befehl meines Herren nachgehe. Es geht nicht darum, viel zu wissen, sondern damit zu praktizieren, auch wenn es nur wenig ist, wie der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden auf ihm – es auch sagte. Es versetzt mich in Trauer, diese Sprüche hören zu müssen. Stattdessen hätte ich hören müssen: „Hol dir so viele Bücher wie du möchtest, ich werde sie bezahlen.“

Wie muss ich mich einem Vater gegenüber verhalten, der zu uns sagte: „Ihr seid keine Menschen.“ Ich weiß, dass unser Prophet sagt: „Das Wohlgefallen Allahs, geht über das Wohlgefallen der Eltern.“ Ich wäre sehr glücklich, wenn Sie mich aufklären könnten. Denn ich bin an einem Punkt angelangt, an dem meine Geduld, mein Respekt und meine Liebe zu Ende ist.
Ich habe meine Frage in die Länge gezogen, verzeihen Sie mir. Glauben Sie mir, ich bin sehr verzweifelt. Wir fühlen uns wie Waisenkinder. Es gibt keine männliche Person, die sich um uns kümmert. Als unsere Eltern sich trennten, zeigte uns jeder sein wahres Gesicht. Meistens können wir uns nicht in der Gesellschaft aufhalten, denn ohne einen Vater fühlen wir uns erdrückt. Es bereitet uns große Schwierigkeiten und Trauer, ein Leben führen zu müssen, als gäbe es keinen Vater, obwohl er doch existiert. Gewiss ist dies eine Prüfung unseres Herren, der ich mir – Allah sei Lob – bewusst bin. Wir sind standhaft und suchen Zuflucht bei unserem Herren. Was würden Sie uns jedoch empfehlen, damit unsere Geduld und Standhaftigkeit noch stärker wird? Ich bin sehr auf Ihre Meinung angewiesen, bitte klären Sie mich auf. Was muss ich unternehmen? Wie muss ich handeln? Ich spreche immer Bittgebete (Du’â). Dies ist auch meine größte Stütze. Auch habe ich nicht meine Hoffnung verloren, aber zeigen Sie mir einen Weg. Wie müssen wir uns unserem Vater gegenüber verhalten, der sich nie um uns kümmert, der nie nach uns fragt, der uns nicht vermisst und der sich immer um die Bedürfnisse anderer kümmert? Welche Aufgaben habe ich als Kind, obwohl er sich so verhält?

Antwort:
Als ich deinen Brief las, fühlte ich mich wie in die Zeit der Unwissenheit (Dschâhiliyyah) damals in Mekka zurückversetzt, das vor dutzenden von Jahrhunderten existierte. Ich war gerührt, ich habe gezittert und geweint. Bis in meine Knochen habe ich wieder und wieder gespürt, wie sehr wir jetzt unseren Propheten, als eine Barmherzigkeit für alle Welten benötigen, obwohl so viele Jahrhunderte vergangen sind. Danach habe ich mich über zwei Dinge gefreut. Erstens, dass mein Herr mir bei diesem großen Dienst Erfolg gab. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr ich mich gefreut habe. Ich wünsche mir, dass du weiterhin für mich Bittgebete (Du’â) tätigst und ehrlich gesagt möchte ich dich und solche wie dich am Tage des Gerichts (Yawm Al-Qiyâmah) bei mir haben. Das zweite, worüber ich mich freue, ist jedoch das Wunder, dass ich an dir erkenne. Was für ein großes Wunder es doch ist, dass Allah – der Erhabene – eine Rose wie dich zwischen all dem Unkraut hervorbringen lässt. Während die Kinder der Eltern vom Weg abgekommen sind, obwohl sie sich um diese vierundzwanzig Stunden am Tag kümmern, entwickelst du dich am Rande, wie ein Edelstein. Wie kann ich dich denn nicht beglückwünschen, wie kann ich nicht im Namen meiner muslimischen Gemeinschaft (Ummah) Hoffnungen über dich schüren? Du bist das Wunder meines Propheten – Segen und Frieden auf Ihm. Ich beglückwünsche dich aus ganzem Herzen.
Möge Allah dich bewahren, deinem Herzen Frieden schenken und deinen Horizont erweitern.
Verfalle ja nicht in Hoffnungslosigkeit. Wenn du dir bewusst bist, dass du deinem Herren angehörst, brauchst du keine Angst zu haben. Er wird dir genügen. Doch nein, wäre Er nicht dein Herr und Beschützer, dann hieße es, dass du sowieso verloren bist. Er wird dir genügen. Mach dir keine Sorgen. Vielleicht wirst du eines Tages sagen können: „Gut, dass mein Vater so ist wie er ist!“ Eines Tages könntest du dich darüber freuen, dass du in dieser Lage bist. Ich möchte dir ein paar Sätze mit auf den Weg geben. Ich hoffe du hast dafür Platz in deinem Herzen und ich hoffe sie führen dazu, dass du für mich in deinen Bittgebeten erwähnst.

1- Ist es schwierig? –  Ja gewiss, es ist schwierig, aber trotzdem solltest du Geduld und Standhaftigkeit (Sabr) zeigen und die Engel (Malâikah) zum Lachen und den Satan (Schaytân) zum Weinen bringen. Behandele deinen Vater auf gute Weise, auch wenn er es nicht verdient hat. Als Gegenreaktion zu seinem schlechtem Verhalten, solltest du gutes Verhalten vorzeigen. Was ich sage ist schwierig, aber dies ist es, dass einen um Stufen erhöht. Du wirst aufsteigen und dich Allah nähern. Akzeptiere dies so, wie als würdest du zum Morgengebet (Salât As-Subh) erwachen. Obwohl das Bett dich festhält, stehst du wegen deinem Glauben (Imân) trotzdem auf. Zeig uns was du kannst und mache die Engel (Malâikah) glücklich. Versuch die Prophetengefährtin dieser Zeit zu werden. Nicht weil es dein Vater verdient, sondern mache es für die Gefälligkeit des Gesandten Allahs – Frieden und Segen auf Ihm -, der dir vor vierzehn Jahrhunderten einen Gruß (Salâm) schickte. Vergiss nicht, er wird jenen erkennen, der ihn würdigt!

2- Deine Lage sollte dich nicht dazu verleiten, überstürzt zu heiraten. Dadurch könntest du eine zweite Phase der Qual durchleben. Es könnte sich dir jemand nähern, der deine Probleme auf erstem Blick erkennen mag, und versucht dich zu beeinflussen. Vor allem aus Seiten der Verwandtschaft kann dies geschehen. Überstürze nichts und mache dir keine Sorgen. Wie bereits erwähnt, dein Herr wird dir genügen. Lass dich lange und ausführlich beraten (Istischâra). Wenn möglich, solltest du deine Ehe nicht in diesem fernen Land führen. Vergiss diesen Punkt auf keinen Fall!

3- Lies derweil den Qur’ân. Auch wenn es nur wenig ist, versuche jeden Tag den Qur’ân zu lesen. Der Qur’ân wird dich emporheben und dein Herz wird in den Flüssen des Paradieses (Dschannah) versinken. Du wirst sehen, einige Zeit später werden dir deine Sorgen Freude bereiten.

4- Vernachlässige auch nicht deine Gottesdienste (‘Ibâdât), vor allem nicht die täglichen rituellen Gebete (Salâh).

5- Verhalte dich aufgrund deiner Probleme deiner Mutter gegenüber nicht so, als wäre sie dir gleichgültig. Sie selbst ist das Paradies (Dschannah). Du solltest dich nicht von ihr entfernen.

Falls du es erlaubst, würden wir deinen Brief gerne auf unserer Internetseite veröffentlichen. Vielleicht wird es eine Lehre für andere Väter und Personen sein, die sich in deiner Lage befinden sein. Ich grüße auch deine Schwester.
Ich bete für euch und erwarte auch eure Bittgebete (Du’â).
Wenn es euch hilft, könnt ihr mir jeder Zeit schreiben.

Nureddin Yildiz

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